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Bericht der Salzburger Nachrichten vom 25.04.2026

Die Geschichte hinter dem erfolgreichen Familienbetrieb „Gemüsebau Steiner“ und dessen innovative und zukunftsweisende Beheizung mit Geothermie weckt auch das mediale Interesse in Österreich. Sehen Sie hier das ganze Interview aus dem Wirtschaftsteil der Salzburger Nachrichten.
(Artikel der Salzburger Nachrichten von Iris Burtscher, erschienen am 26.04.2026.)

Tiefenwärme lässt bayerische Erdbeeren reifen

Tomaten im Winter, Erdbeeren ab März: Warum eine Innviertler Familie und eine kleine bayerische Gemeinde Millionen versenkten, um das ganze Jahr über Obst und Gemüse anzubauen.

Zwei Monate lang schlief Robert Moser schlecht.„Sehr schlecht“, sagt der Bürger-meister der kleinen oberbayerischen Gemeinde Kirchweidach. Als politisches Oberhaupt von 3000 Bürgerinnen und Bürgern hatte er eine Millionensumme versenkt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Kirchweidach hatte, gemeinsam mit dem Gemüsebauunternehmen Steiner, 2023 eine Geothermiebohrung durchgeführt. Mit der erneuerbaren Energie aus der Tiefe sollten die Häuser der Bürger und die Glashäu-ser der Innviertler Familie Steiner im Ort beheizt werden.
„Wir sitzen hier im Molassebecken auf einem riesigen Bodenschatz“, sagt Moser. Bloß, ihn zu heben, ist nicht einfach. Ob an einem Standort mit hohem Potenzial am Ende heißes Wasser aus der Tiefe sprudelt, weiß man erst, wenn man unten ist. Zwei Mal bohrte man vier Kilometer tief in den Untergrund, beide Male ergebnislos.
„Wir haben zig Millionen Euro verbuddelt, aber gemeinsam mit den Steiners beschlossen, es noch ein letztes Mal zu probieren. Die dritte Bohrung war Gott sei Dank fündig“, erzählt Moser. Nun schläft er wieder gut. Sehr gut sogar: Der letzte Versuch war ergiebiger als erwartet.

Nun wachsen nicht nur die Tomaten, Paprika, Gurken und Erdbeeren in den 35 Hektar umfassenden Glashäusern dank der Energie aus der Tiefe prächtig. Es können weitere Kommunen im Landkreis Altötting an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Ins nahe Burghausen mit 20.000 Einwohnern wird nun eine Leitung verlegt. Ab 2027 soll die Stadt mit CO2-freier Wärme versorgt werden.

Wie ging es Sepp Steiner in dieser Zeit? Er zuckt mit den Schultern und lacht verschmitzt. „Wir wollten in der Energiefrage unabhängig sein. Das war uns das Risiko wert.“ Ursprünglich ist der Innviertler, der hier nur „Paradeiser-Sepp“ genannt wird, Käsereimeister. Fast wäre er Molkereibesitzer in Südafrika geworden. Jetzt ist er eben Gemüsebauer im großen Stil. Und Geothermieexperte.
Als er vor Jahren den Bauernhof der Eltern im oberösterreichischen Hochburg-Ach übernahm, baute er erst Heidelbeeren an, dann kam er aufs Gemüse. „Ich habe mich intensiv mit dem Anbau unter Glas beschäftigt. Für mich war aber klar, dass wir das nicht mit Gas oder Öl machen“, erzählt er. Zuerst war Abwärme die Idee. Mit einer Müllverbrennungsanlage war er schon in Gesprächen. Dann erfuhr er von einem Geothermieprojekt über der Grenze in Kirchweidach und wurde dort gut aufgenommen.
„Viele haben mich damals daheim blöd angeschaut. Gas hat eh nichts gekostet“, erzählt der 66-Jährige. „Aber ich wollte nicht, dass mich meine Kinder irgendwann fragen, was ich mir damals dabei gedacht habe.“ In konventionell beheizten Glashäusern brauche man einen Liter Öl für ein Kilo Tomaten, rechnet er vor.

2013 gab es vor Ort bereits eine Geothermieanlage eines privaten Investors. Zehn Jahre später machten sich die Steiners mit der eigenen Bohrung unabhängig. Als der Ukraine-Krieg ausbrach, hätten sich die Reaktionen rasch geändert. Nun sei es mit dem Iran-Krieg nicht anders.„Leider braucht es immer externe Schocks, damit die Menschen umdenken“, sagt Sohn Wolfgang Steiner. Er war von Beginn an dabei. „Natürlich treffen uns gestiegene Energiekosten im Bereich Strom und Transport. Aber was die Beheizung angeht, und das ist bei uns der mit Abstand größte Teil, sind wir dank Geothermie unabhängig von globalen Energiemärkten.“
Der Wahl-Salzburger ist seit 2017 Geschäftsführer. Einen grünen Daumen hat der 34-Jährige nicht, gibt er zu. Dafür bringt der Absolvent der Salzburger HTL für technische Informatik ausreichend IT-Kenntnisse mit, was bei einem Betrieb in dieser Größenordnung essenziell ist. Computer steuern – unter Anleitung von Gärtnern Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Bewässerung. „Seit wenigen Tagen testen wir ein eigenes KI-Tool.“ Wie gut es funktioniere, müsse sich erst zeigen.

Gepflanzt, ausgegeizt, geerntet und verpackt wird von Hand. 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten bei den Steiners. Und es gibt fliegendes Personal: Erdhummeln übernehmen die Bestäubung. Erde findet man indes kaum, angebaut wird auf Kokosfasern. Die Tomatenranken oder Paprikastauden wachsen mehrere Meter in die Höhe. Gegossen wird mit Regenwasser. Das Abwasser wird aufbereitet und fließt zurück an die Pflanzen. 13.000 Tonnen Obst und Gemüse werden pro Jahr geerntet. Der Großteil geht an die Supermärkte der Handelskette Rewe in Bayern, ein kleiner Teil landet in Salzburg. Aromatica-Tomaten wachsen neben Ochsenherz und San Marzano. Demnächst soll eine weitere, eigene Sorte hinzukommen: Bella Bavaria. Betreten werden dürfen die Glashäuser nur in Schutzanzügen und nach dem Gang durch eine Desinfektionsschleuse. Eingeschleppte Krankheiten könnten tonnenweise Gemüse vernichten. Über die Jahre wurden aus zwölf Hektar Fläche 35, ein Teil davon bio. Elf Hektar sind es im oberösterreichischen Geinberg: Seit 2021 betreibt man dort mit burgenländischen Partnern den Biohof Geinberg mit 120 Beschäftigten. Hier liefert die Tiefenbohrung der örtlichen Therme die Wärme.
Tomaten werden das ganze Jahr über geerntet. Bei Paprika geht die Saison von März bis Dezember. Die Erdbeerernte startet Ende März.„Die Pflanzen werden im Herbst vorgezogen, im Kühlhaus eingelagert und erst bei Bedarf gepflanzt“, erklärt Sepp Steiner, während er eine reife „Malling Centenary“ pflückt. Ruhestand ist nichts für den 66-Jährigen. Er hat noch Ideen. Seit wenigen Tagen werden ein paar Hundert Meter weiter schwimmen-de Salate geerntet: Sie wachsen hier ganzjährig in speziellen Wasserbecken, im hydroponischen Anbau. Mit dem Projekt hat er auch seinen zweiten Sohn Florian für den Betrieb gewinnen können.

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